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S. 52


S. 53

Irgendwann kommt eine Zeit, da sind all deine Ausgänge wie mit Wachs zugestopft. Du sitzt in deinem Zimmer, fühlst ein Stechen in deinem Körper, es blockiert deine Kehle und ballt sich bedrohlich hinter den Augen in kleinen Tränentaschen. Ein Wort, eine Geste und alles, was in dir eingeschlossen ist - schwärender Ärger, brandige Eifersucht und viel zu viele unerfüllte Begierden -, einmal wird es aus dir herausbrechen, wütende, ohnmächtige Tränen, peinliches Geschluchze und Geflenne, das sich an niemanden persönlich richtet. Dich halten keine Arme, keine Stimme sagt: “Na, na. Schlaf drüber und vergiß es.” Nein, in deiner neuen und fürchterlichen Unabhängigkeit spürst du einen bedrohlichen, warnenden Schmerz, das Resultat von zu wenig Schlaf und straff gespannten Nerven, und ein Gefühl, daß die Karten diesmal ganz und gar gegen dich gemischt sind und daß es immer noch schlimmer wird. Du brauchst ein Ventil, doch alles ist versiegelt. Tag und Nacht lebst du in diesem dunklen engen Gefängnis, das du dir selbst gebaut hast. Und eines Tages spürst du dann, daß du platzen wirst, zerbersten, wenn du dieses große Reservoir, das in dir brodelt, das irgendein Leck im Damm sucht, nicht los wirst.

Auch das fällt weg. Du beißt die Zähne zusammen, haßt dich selbst für deine ängstliche Empfindlichkeit und fragst dich, wie Menschen es aushalten können, wenn ihre Persönlichkeit von einer maschinenartigen Diktatur gnadenlos zertreten wird, sei es die Industrie, der Staat oder eine Organisation, und das ihr ganzes Leben lang.


S. 55

Mein Problem? Sollte flexibler denken, frischere Bilder. Halte mich unbewußt zu sehr an Klischees und breitgetretene Kombinationen. Zu wenig Originalität. Zu viel blindes Verehren moderner Dichter, zu wenig Analysieren und Üben.

Da meine weibliche Welt stark durch Gefühle und Sinne wahrgenommen wird, behandle ich sie auch dementsprechend in meinem Schreiben, und das ist dann oft überladen mit langweiligen Beschreibungen und einem Kaleidoskop von Vergleichen.

… die grillenhaften, lyrischen, typographisch exzentrischen Verse E. E. Cummings’ …

Wenn ich, ach Gott, wenn ich die straffe, sparsame, klare Prosa von Louis Untermayer lese und die destillierten Intensitäten eines Dichters nach dem anderen, komme ich mir erstickt vor, schwach, blaß, zurückhaltend und völlig absurd. Meine Empfindsamkeit ist wie ein bleiches, farbloses Flämmchen.


S. 56

Ich denke nach über all die Wege, die ich nicht eingeschlagen habe, und bin nahe dran, Frost zu zitieren … laß es aber doch. Wie traurig, wenn man bloß andere Dichter im Mund hat. Ich möchte, daß man mich im Mund hat.

Wieso beherrscht mich der Gedanke, ich könnte mich selbst rechtfertigen, indem ich meine Manuskripte veröffentliche?……………………………….


S. 57

Dieser Junge war, weil es nicht anders ging (Mangel an anderen Kontakten), die einzige Antwort auf ein Bedürfnis; in ihm erkenne ich den Ursprung von allem, was mir angst macht und was ich vermeiden möchte. Auch verstehe ich die gleichermaßen blendende Notwendigkeit, immer das zu nehmen, was gerade geht, aus Furcht, so eine Gelegenheit käme nie wieder.