gelesen

Ich hatte mal einen spielsüchtigen Freund, der sagte: “Mir egal, ob ich gewinne oder verliere - ich will bloß zocken.”

Geld wird nur zum Problem, wenn man entweder zu viel oder zu wenig hat.

Ich nehme an, es wird immer etwas geben, mit dem wir uns unbedingt quälen wollen. (S. 7)

Ich kann sagen, was ich will, es hört sich prima an, weil ich beim Schreiben was riskiere. Es gibt zu viele, die zu vorsichtig sind. Sie studieren das Schreiben, und sie unterrichten es, und es geht ihnen daneben. Die Entscheidung fürs Konventionelle raubt ihnen ihr Feuer. (S. 8)

Hier oben gibt’s einen kleinen Balkon, die Tür steht offen, und ich sehe die Scheinwerfer der Autos, die auf dem Harbor Freeway in meine Richtung fahren - ein nicht abreißender Strom von Lichtern. All diese Menschen. Was machen sie? Was denken sie? Wir müssen alle mal sterben. Was für ein Zirkus. Das allein müßte schon dafür sorgen, daß wir einander lieben. Tut es aber nicht. Wir werden terrorisiert und geplättet von nebensächlichem Kram; wir werden aufgefressen von nichts und wieder nichts. (S. 9)

Ich habe die großen Philosophen gelesen. Was für merkwürdige, komische, verrückte Kerle. Spielernaturen. Descartes stellte sich hin und sagte: Ihr anderen habt die ganze Zeit nur Stuß geredet. Mathematik, sage ich, ist das Modell für absolute Wahrheit, die ihren Beweis in sich selbst trägt. Mechanik. Dann kam Hume mit seinem Angriff gegen die Gültigkeit von kausalem Wissen. Und dann Kierkegaard: “Ich stecke meinen Finger in die Existenz - und rieche nichts. Wo bin ich?” Und schließlich kommt Sartre und behauptet, die Existenz ist absurd. Ich mag diese Kerle. Sie rütteln an allem. Bekamen sie keine Kopfschmerzen von solchen Gedanken? Rauschte ihnen nicht ein Schwall von Schwärze durch die Zahnlücken? Wenn man solche Männer vergleicht mit den Exemplaren, die ich auf der Straße sehe oder in Cafés oder im Fernsehen, ist der Unterschied so gewaltig, daß ich einknicke wie nach einem Schlag in die Magengrube. (S. 11/12)

Ich trage den Tod in der linken Jackentasche mit mir herum. Manchmal hole ich ihn raus und sage: “Baby, wie geht’s dir so? Wann kommst du mich holen? Ich werde darauf gefaßt sein.”

Schlimm ist nicht der Tod, sondern das Leben, das bis dahin gelebt wurde. Menschen die, ihr eigenes Leben nicht würdigen, sondern darauf pissen. Es mit Scheißkram verplempern. Dumme Rammler, voll konzentriert auf Ficken, Kino, Geld, Familie, Ficken. Ein Hirn voll Flusen. Sie schlucken die Vorstellung von Gott und Vaterland ohne einen Gedanken. Bald verlernen sie das Denken ganz und lassen andere für sich denken. Ihre Hirnwindungen sind mit Baumwolle ausgestopft. Sie sehen häßlich aus, sie sind häßlich beim Reden und Gehen. Spiel ihnen die große Musik der Jahrhunderte vor, und sie hören sie nicht. (S. 13)

Hinter allem steckte die Andeutung: Der Computer verhunzt dir die Seele. Na, das gilt für die meisten Dinge. (S. 14)

Scheißspiel. Du solltest schon seit fünfunddreißig Jahren tot sein. Das hier ist ein bisschen extra Szenerie; paar zusätzliche Eindrücke von der Horror-Show. (S. 18)

Das Radio rechts von mir gibt sich Mühe, mir noch mehr große klassische Musik vorzuspielen. Ich höre mir das jeden Abend drei oder vier Stunden an, während ich mich mit etwas anderem beschäftige. Oder mit gar nichts. Es ist meine Droge, es spült mir den Dreck des Tages aus den Adern. Die Komponisten der Klassik bringen das bei mir fertig. Die Dichter, Romanschriftsteller und Erzähler nicht. Lauter falsche Fuffziger. Schreiben hat etwas, das die Schummler anzieht. Was ist es? Schriftsteller sind am schwersten zu ertragen, in Buchform und in Person. Am übelsten sind sie privat. (S. 18/19)

Ich habe etwas in mir, das ich nicht kontrollieren kann. Ich kann über keine Brücke fahren, ohne ans Runterspringen zu denken. Ich kann keinen See und keinen Ozean anschauen ohne den Gedanken an Selbstmord. Als würde im Dunkeln ein Licht angeknipst. Daß es einen Ausweg gibt, hilft dir, an Bord zu bleiben. Kapiert? Andernfalls gäbe es nur noch Wahnsinn. Und das ist nicht lustig, mein Lieber. Jedes gelungene Gedicht ist wieder eine Krücke für die nächsten paar Meter. Ich weiß nicht, wie es den anderen ergeht, aber wenn ich mich morgens bücke und mir die Schuhe anziehe, denke ich jedesmal: Das Leben hat etwas gegen mich; wir kommen nicht miteinander aus. Ich darf immer nur ein bißchen abbeißen, sonst hätte ich das Gefühl, ich muß einen Eimer voll Scheiße schlucken. Es überrascht mich nicht, daß die Irrenanstalten und Gefängnisse voll sind, und die Straßen auch. Um mich zu beruhigen, sehe ich gern meinen Katzen zu. Die geben mir ein gutes Gefühl. Aber steckt mich bloß nicht in ein Zimmer voll Mitmenschen. Bloß nicht. Besonders an Feiertagen. Bitte nicht. (S.19/20)

Sie ließ sich von mir scheiden und hatte auch recht damit. Ich war nicht gut genug zu ihr und hatte nicht die Größe, um sie zu retten. (S. 20)